Unterwegs

Uff Malle lasse wirs knalle #3 –
Klettern, fliegen, abstürzen im
Naturpark La Reserva

Memo an mich selbst: Ich muss dringend an meiner offenbar nicht mehr vorhandenen Armmuskulatur arbeiten. Wäre sie stärker ausgeprägt, wäre ich beim Versuch, meine xy Kilo hochzuhieven, sicherlich nicht so unschön beim Klettern abgestürzt und gegen den Berg geknallt. Nichts passiert, nur ein paar Schrammen und blaue Flecke, schließlich war ich gesichert und hatte einen Helm auf. Auch mein zweiter Versuch, die Steilwand zu erklimmen, schlug fehl. Alles nur, weil Guide Toni mich schlicht ver!§$%&? hatte – der meinte nämlich, links sei es „difficil“, rechts „facil“. Haha. Genau andersrum.
Welche dramatischen Szenen sich abspielten, seht ihr im Video von Mallorca Talks:

Ein paar Minuten später hatte ich es endlich geschafft (dann auf der linken, einfachen Seite) und konnte die oben befestigte Glocke läuten. Wieder unten angekomen, war ich nass geschwitzt und überglücklich. Ich glaube, heimlich bin ich eine Bergziege. Vielleicht liegt es am Sternzeichen Widder? Jedenfalls war der Tag im Naturpark „La Reserva“ einer der schönsten während meines gesamten Mallorca-Aufenthaltes. Eigentlich sogar der schönste: Den ganzen Tag lang Action und körperliche Herausforderungen bei mehr als 30 Grad Hitze und praller Sonne. Ich liebe es!

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Kletterglück1

Nun ist es so, dass dieser Park nicht zwangsläufig zu sportlichen Heldentaten animiert. In erster Linie ein Natur- und Wildpark, bietet er optional auch einen Abenteuer-Parcours an – sofern man den gut halbstündigen Fußweg durch Flora und Fauna hinter sich gebracht hat. Das ist aber dann schon die gehetzte Variante. Ich empfehle: langsam gehen und genießen! Es gibt so viel zu entdecken! Außerdem ist der Boden schön uneben, Stufen aus Stein oder Holz sowie viele Wurzeln fordern ein wachsames Auge. Der Park befindet sich in Puigpunyent, etwa 17 Kilometer von Palma entfernt, am Fuße des Berges „Puig de Galatzo“ beim Tramuntana-Gebirge. Immer wieder gibt es großartige Aussichten auf die Berge, doch man muss nicht weit schweifen, um fasziniert zu sein: gefühlt alle paar Meter rauschen Wasserfälle das Gestein hinab, lassen Höhlen und schwarze Kohle-Flecken auf die frühen Bewohner dieser Gegend schließen. So haben sich beispielsweise die Araber, die schon im 10. Jahrhundert die Insel erobert hatten, hier aufgehalten. Darauf lassen beispielsweise die weitläufigen Terrassen im Inneren des Parks schließen. Als 1229 König Jakob I. mit tausenden Schiffen an Land kam, um die Insel von den Arabern zu „befreien“, suchten sie Zuflucht unter anderem in dem insgesamt 2,5 Millionen m² großen Gelände – vergebens.

water falls

Erst 1986 wurde aus dem Gebiet ein Park, der im Oktober 1992 offiziell eröffnet wurde. Heute leben hier Bären, Mufflons, Ziegen, Schafe, Esel, Strauße, Emus, Gänse, Enten, Pfaue und viele andere Vögel. Insbesondere die gefiederten Tiere leben, bis auf einige Ausnahmen, in völliger Freiheit. Auf die Pfaue trifft man überall, und diverse schillernde Federn haben jetzt einen dekorativen Platz in Babsis Wohnung gefunden. Die Vögel fühlen sich in dem jagdfreien Gebiet sicher und können ungestört brüten. Es gibt aber auch eingezäunte Areale, wo sich dann die Ziegen und Co. aufhalten, sowie Käfige. Die Tiere, die hinter jenen Gittern leben, tun dies aber nur, weil sie sonst dem Tode geweiht wären. Es sind beispielsweise verletzte Eulen oder Milane, die erblindet sind oder nur noch einen Flügel haben. Im Reservat verbringen sie ihren Lebensabend, regelmäßig gepflegt und gefüttert. Selbst die beiden Bären sind nur deshalb da, weil sie sonst getötet worden wären. Sie kommen aus Rumänien, wo sie für Show-Zwecke missbraucht worden waren. Als dies verboten wurde, gelangten sie nach Mallorca. Ein deutsches Paar nahm sich ihrer an, indem sie den Park kontaktierten, ein Gehege bauen ließen und für ihre Verpflegung viele Jahre im Voraus bezahlten.

Bärenleben

Nach dem langen Fußweg – der übrigens durchweg schattig ist – gelangt man auf einen großen Platz. Hier gibt es eine Bar, die kleine Gerichte wie Kartoffeln mit Allioli, Sandwiches oder Bratwurst und Getränke anbietet. Auch ein Barbecue-Haus ist vorhanden, in welchem die Grills quasi immer Feuer haben. So kann, wer mag, jeder sein eigenes Grillgut zubereiten und genießen. Das muss übrigens nicht mitgeschleppt werden, sondern wird von Mitarbeitern mit dem Auto über eine kleine Offroad-Strecke direkt zum BBQ transportiert. Wer Abkühlung braucht, findet diese in den – in diesem Fall künstlich angelegten – Wasserfällen. Von diesem Platz aus kann auch die Abenteuer-Tour starten. Zweimal täglich (morgens und abends) wird diese angeboten, eine vorherige Buchung ist nicht notwendig. Kostet der Eintritt für Erwachsene für den Park 14 Euro, werden für das „aventura“ noch mal 14 oder 28 Euro (Erwachsene) fällig. Tour 1 beinhaltet die drei „Zipline“ oder auch „Flying Fox“ genannten Flüge über und durch das Areal an einem Drahtseil sowie das Bezwingen einer tibetanischen Brücke – Achtung, wackelig!
Tour 2 liefert das volle Programm: Ziplining, 4 fiese Brücken und Felsenklettern. Auch, wenn es nicht ganz günstig ist, lege ich jedem diese Tour ans Herz! Im Preis inbegriffen sind Tourguide und Versicherung, Vorerfahrung ist nicht notwendig. Wohl aber Schwindelfreiheit und ein Hauch von Balance. Aber keine Bange, man ist stets gesichert und befestigt, wenn man versucht, über ein Drahtseil zu eiern – was nicht immer einfach ist, wenn dein Guide meint, ordentlich daran wackeln zu müssen! Beim Ziplinen hängt man in einem Geschirr an einem Drahtseil, das bis zu 400 Meter lang ist. Von der jeweiligen Plattform aus nimmt man am besten Anlauf, springt ab und suuuuurrrrrrrrrrt – je nach Gewicht – in einem Affentempo durch die Luft. Schon spannend, wenn gestandene Männer plötzlich das Quieken und Schreien anfangen!

Zipline

Auf mich hat die Mischung aus Natur, Action, Spaß und den vielen Tieren, denen es offensichtlich gut geht, ausschließlich positiv gewirkt. „Sarah, du solltest hier arbeiten“, sagte Babsi denn auch am Ende des Tages und in Anbetracht meines Dauerstrahlens zu mir – was witzig war, denn bei patatas con allioli schmiedete ich in der Tat schon heimlich Auswanderungspläne…

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Weitere Infos:

La Reserva Puig de Galatzó
Predio Son Net s/n, Puigpunyent. Mallorca
Telefon: (0034) 971 616622 (Park) oder 971 728786 (Office)
Email: info@lareservamallorca.com
www.lareservamallorca.com

Disclosure: Babsi und ich wurden vom Park eingeladen – was meiner Objektivität keinen Abbruch tut und im Reisejournalismus gang und gäbe ist.

1 Kommentare

  1. Eine sehr schöne Bildergalerie hast du da gebaut!

    Ist fast so als wäre ich wieder da 😉

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