Unterwegs

Uff Malle lasse wirs knalle #2 – Verliebt in ein knuspriges Huhn im Quay

Ich hätte nicht gedacht, dass man sich in Trance essen kann vor lauter Glückseligkeit. Ich esse ja grundsätzlich gerne. Dabei bin ich kein Gourmet in dem Sinne, mit crazy Innovationen á la Hummerschaum an karamellisierten Bambussprossen auf einem Bett aus sautiertem Chicorée beispielsweise kann man mich jagen. Serviert man mir Bratkartoffeln mit Spiegelei hingegen, bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Einfach, ehrlich und lecker – so muss Essen für mich sein. Und dann entführte mich Freundin Babsi von Mallorca Talks zum LoftOtel Canet (so die eigene Schreibweise) in Esporles.

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Schon die gesamte Finca-Anlage am Fuße des Tramuntana-Gebirges versetzte mich in Entzücken. Die Gebäude wurden vor mehr als drei Jahrhunderten einmal zur Ausbildung von Bauern genutzt, heute sind es liebevoll restaurierte und aufgehübschte Lofts. Doch nicht nur die Wohnungen sehen gut aus, das ganze direkte Umfeld ist eine Ausgeburt an geschmackvoller Kreativität. An beinahe jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken – antike (Gebrauchs-) Gegenstände, Blumenarrangements, selbst gemalte Bilder oder selbst kreierte Skulpturen – ihr werdet den Fotoapparat nicht mehr aus der Hand legen können!

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Aber ich schweife ab. Zum Hotel gehört also auch das Restaurant „Quay – Nature based food“. Und von der Natur gibt es hier viel, insgesamt gehören zu dem Fincahotel noch 40.000 Quadratmeter Land! Dazu gehört zum Beispiel auch ein Biogarten, in dem sich Küchenchef Marcelo Rappold regelmäßig aufhält, sofern er nicht hinterm Gasherd in der Küche steht. Marcelo ist ein Hamburger Jung mit blondem Wuschelhaar, blitzblauen Augen sowie peruanisch-argentinischen Wurzeln, der sich nach einer „vernünftigen“ Ausbildung zum Versicherungskaufmann schließlich seinen Traum vom „vernünftigen“, sprich nachhaltigen Kochen erfüllte.

Marcelo Rappold kann es einfach!   Foto: Mallorca Talks

Marcelo Rappold kann es einfach! Foto: Mallorca Talks

Er lernte erst im „Vier Jahreszeiten Casino“ in Travemünde, im Szenerestaurant „Au Quai“ in Hamburg – wo auch Tim Mälzer kochte – und landete schließlich in Andratx auf Mallorca. Dort lernte er seine jetzige Freundin Dani kennen, die ihrerseits zusammen mit einem guten Freund und Geschäftspartner das Lofthotel Canet übernahm. Mit den riesigen landwirtschaftlichen Flächen wurde aus dem Koch Marcelo auch ein Gärtner und Bauer. Für den Restaurantbetrieb versucht er so viel wie möglich aus eigenem Anbau zu nutzen, da ist nichts genmanipuliertes oder gar chemisch Behandeltes bei. Gesunde, leichte, moderne, mediterrane Küche mit lokalen oder eigens angebauten Produkten – das ist, wofür Marcelo lebt. (Die ganze Geschichte könnt ihr gerne bei Babsi nachlesen, die hatte im Gegensatz zu mir mal Zeit, ihn ausführlich zu interviewen!).

Keine Chemie, reine Natur      Foto: Mallorca Talks

Keine Chemie, reine Natur Foto: Mallorca Talks

Und ich hätte nie gedacht, dass es so viel ausmachen kann, wenn man all dies weiß und den Koch selbst auch einmal kennengelernt hat. Zu wissen, dass da jemand steht, der Konservierungsstoffe und alles Künstliche verabscheut, der eigenhändig die Kräuter für deinen Salat oder die Soße gepflückt hat, der sich einen Kopf darum macht, dass du leichtes, aber dennoch sättigendes und gut schmeckendes Essen auf den Teller bekommst – das ist der Knaller.

Als ich das erste Mal dort war, habe ich – die eigentlich die meiste Zeit über Vegetarierin ist und zudem über Fischstäbchen nicht hinaus kommt – eine Art Frühlingsrolle gefüllt mit Gemüse und Tunfisch und anschließend mallorquinisches Schweinegeschnetzeltes gegessen. Ich war eine halbe Stunde lang nicht mehr ansprechbar, so entrückt war ich. Dazu noch ein Glas Traubensaft, eisgekühlt und selbst gemacht, versteht sich, danach noch Hierbas, ein klassisch-mallorquinischer Kräuterschnaps, selbst angesetzt, claro. Zum Glück konnte ich Marcelo nach dem Essen noch einmal persönlich ansprechen: Die Küche befindet sich in einem kleinen Gebäude direkt neben der schattigen Terrasse des Restaurants, das Fenster steht immer offen. Eher zurückhaltend lauschte Marcelo meinen Lobeshymnen, eine Hand an der Pfanne, ein Arm hinter dem Rücken verschränkt. Er lächelte scheu, aber irgendwas lässt mich spüren, dass es ihn ganz heimlich doch freut – und tatsächlich, mit unverkennbar norddeutschem Akzent sagte er: „Das war auch mit viel Liebe gemacht!“ Der Punkt ist: Das nimmt man ihm unbedingt ab.

Ein klitzekleiner Teil der riesigen Finca Foto: Mallorca Talks

Ein klitzekleiner Teil der riesigen Finca Foto: Mallorca Talks

So. Und warum genau bin ich jetzt in ein knuspriges Huhn verliebt? Weil Babsi und ich noch mal dort waren. Weil wir eigentlich nur einen Traubensaft trinken wollten und noch Videoaufnahmen machen mussten. Und ganz eigentlich wollte ich gar nichts zu mir nehmen, weil mir nämlich die Hitze ziemlich auf den Magen schlägt und ich seit meiner Ankunft doch einige Probleme mit Übelkeit und Co. habe*. Marcelo nahm das zum Anlass, mir sofort einen frischen Ingwertee zu kochen. Außerdem fragte er mich, ob wir nicht auch was essen wollten – der Mann will halt echt gerne kochen!! Also gut, Speisekarte bringen lassen, mich gelüstete es prompt auch wieder nach Fleisch, trotz Magen, trotz „Vegetarismus“. Heißt: Knusprige Huhnroulade gefüllt mit Pilzen, dazu Gemüse und Kartoffeln – das sprach mich an. Ehrlich, einfach, lecker – genauso, wie ich es mag, allerdings dazu eben noch „Bio“ und mit viel Liebe gekocht. Als schließlich der Teller vor mir stand (schnell geht das!) und ich zu essen begann, musste Babsi mehrmals lachen. Offenbar war mein Gesichtsausdruck, gelinde gesagt, blöde. Halt so verzückt. Entrückt. Abwesend. Es gab nur noch das knusprige Huhn und mich. Wirklich. Jede Gabel ein Genuss. Und ich schwöre, dass es stimmt, wenn ich sage, dass von Übelkeit und Co. nichts mehr zu merken war!

Canet

Und ich schwöre auch, dass ich dort noch ein drittes Mal essen werde. Und hoffentlich noch viele Male mehr. Eigentlich möchte ich so einen Marcelo bei mir zuhause haben.

* (Wie ich jetzt weiß, leide ich an einer Weinunverträglichkeit. Praktisch, in so einem mediterranen Land. Sobald es ein Glas Vino gab, ging die Nase zu und der Magen rebellierte).

Infos:

Restaurant Quay im LoftOtel Canet.
Ctra. Esporles, km1 – 07190 Esporles. Mallorca. (Spain).
Tel.: +34 971 611 777

Das Restaurant Quay ist montags geschlossen.
Ein 3-Gang Mittagsmenü für unter 20 Euro gibt es im Sommer nur am Wochenende.
Im Winter ist das Restaurant FR, SA und SO geöffnet.

http://www.weloftcanet.com/de/restaurant-mallorca

Fotos: Sarah Sauer und Babsi Röss (extra gekennzeichnet)

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