Unterwegs

Uff Malle lasse wirs knalle #1 – Sit Down Paddling weil wegen Knie

Endlich Urlaub. Zwei Wochen Mallorca. Und dazu noch das große Glück, jemanden zu kennen, der – bzw. die – auf der Insel lebt: Barbara aka Babsi Röss. Babsi kenne ich seit elf Jahren, sie ist ebenfalls Journalistin und Bloggerin.  Erst vor vor drei Jahren habe ich sie das erste Mal besucht. Dazumal hatte ich auf irgendeiner Restauranttoilette den Edding-Schriftzug „Uff malle lasse wirs knalle“ gefunden – und habe beschlossen, dies nun zu meinem Motto für diesen Urlaub zu machen.

Babsis Balkonausblick

Babsis Balkonausblick

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan: Babsi hat zum Beispiel im vergangenen November ihren Blog www.mallorca-talks.com hochgezogen. Darin wird deutlich, dass Mallorca verdammt noch mal so viel mehr ist als – Achtung, Klischees – Ballermann, Sangria, Magaluf und seine rothäutigen Briten sowie Sandalen tragende Deutsche – Socken in Sandalen tragende Deutsche, die kurz nach Sonnenaufgang ihre Liegen mit einem Handtuch reservieren. (Sie tun es wirklich. Nach wie vor. Viele).

Mein Glück besteht darin, dass ich an Babsis etwas anderem Inselerleben teilhaben darf. Oder dass ich zumindest mehr tun kann, als nur am Strand zu liegen und einen Kreislaufkollaps zu bekommen, weil ich konsequent auf Schatten verzichte. Das könnte schließlich den Bräunungsprozess massiv beeinträchtigen.

Noch wenige Stunden vor Abflug war eigentlich, bis auf Ponyreiten, nichts wirklich geplant. Und dann kam alles Schlag auf Schlag. Daran gewöhnt man sich, wenn man mit Babsi befreundet ist – plötzlich passiert ganz viel. Und so stand spätestens nach der äußerst unsanften Landung der Ryanair-Maschine vergangene Nacht (Adrenalin pur!) und dem obligatorischen Applaus der Mitflieger (warum!?) folgendes Programm: Stand Up Paddling (SUP), Salsa tanzen, Bootsausflug, Piratenhöhle erobern, Ponyreiten, Schnorcheln, Clubszene unsicher machen und eine Juice-Woche. Gut, letztere ist mehr so ambitioniertes Wunschdenken.

Vielmehr startete also mein erster Tag mit SUP. Das hatte ich vor zwei Jahren auf Curacao schon mal gemacht und war sehr angetan davon. Als ehemalige Kanutin mag ich die Kombi aus Wasser, Sonne, paddeln und Balance finden. Das mit der Balance meine ich im wahrsten Sinne des Wortes. Balance im Kanu auf der Ruhr geht ja noch. Kann aber auch durchaus schon mal herausfordernd sein. Das ist aber nichts im Vergleich zu
– Balance auf einem Board
– auf dem Mittelmeer
– bei Wind und Wellen
– stehend
– mit angeschlagenem Meniskus rechts
zu finden.

Ihr findet Patricia und Jörg an der Hotelbar Villamil in Paguera

In Sachen SUP findet ihr Patricia und Jörg an der Hotelbar Villamil in Paguera

Bei Jorge (sprich: Choche) Sports in Paguera, westlich von Palma, durften wir uns genau davon überzeugen. Hinter Jorge Sports stecken Patricia Hartmann (32) und ihr Partner Jörg Birkel (42), die im Dezember 2013 ihre Zelte in Köln abgebrochen haben, um auf Mallorca durchzustarten. Die beiden sind so sportlich, wie ich es noch nicht mal in meinen Träumen sein werde. Jörg ist Dipl.-Sportwissenschaftlicher und Sportjournalist, Patricia Heilpädagogin und ebenfalls von Haus aus sportbegeistert. Für beide war der richtige Zeitpunkt gekommen, sich neu aufzustellen: „15 Jahre Büro sind einfach genug“, sagt Jörg. Außerdem sehnte er sich danach, sein Wissen nicht nur theoretisch in zahlreichen Artikeln oder in Buchform weiterzugeben, sondern praktisch und im direkten Kontakt zu Gleichgesinnten. Deshalb bieten die beiden in der Nebensaison beispielsweise Rennradreisen, Crosstraining Camps, Family Triathlon Camps, Street Workouts, Personal Trainings uvm. an. Seit Kurzem, genauer seit Juli 2015, kommen auch Paddel-Fans und solche, die es noch werden wollen, bei den beiden auf ihre Kosten. Am Strand, wo auch die Bar des Hotels Villamil liegt, können Interessierte Touren buchen oder die Boards ausleihen – sogar mitnehmen! Das funktioniert, weil es sich um so genannte Softboards handelt, also solche, die aufblasbar sind. Luftlos finden sie in jedem Auto Platz und können schließlich direkt vor Ort mit der beiligenden Pumpe aufgeblasen werden. Premiere für mich, mit Softboards hatte ich es bisher noch nicht zu tun. Auf dem ersten Blick habe ich aber noch nicht mal realisiert, dass es sich um die aufblasbare Variante handelt.

Babsi und ich haben aufs Pumpen verzichtet, sind in Paguera geblieben und haben uns zusammen mit Jörg direkt ins Wasser gewagt – nachdem wir elfengleich und qietschend über den sauheißen Sand gesprintet sind, Paddel in der linken Hand, Board an der Schlaufe in der rechten. Danach wirken selbst die 28 Grad Wassertemperatur erqickend kühl.

Dann hieß es: Platz nehmen! Erst mal walfischähnlich locker aufs Board gesetzt, nachdem wir es mit der Fußfessel gesichert hatten. Beine beide aufs Brett, paddeln. Paddeln ist nicht gleich paddeln. Wie viel man dabei falsch machen kann, werde ich spätestens morgen bemerken – #Muskelkater. Gekonnt ist es, wenn man das Paddel eben nicht mit reiner Muskelkraft aus den Armen heraus durchzieht, sondern eher geschmeidig leicht unter Zuhilfenahme des Oberkörpers. Kurven fahren, stoppen, geradeaus fahren – Jörg weist uns mit ruhiger Stimme ein. Läuft. Naja, mal mehr, mal weniger. Wir platschen gemütlich durch die niedrigen Wellen. Nächste Stufe: Knien!

Jetzt wird’s spannend. Macht mein Knie das mit? Zwei Kreuzbandrisse rechts haben ihre Spuren hinterlassen, schon allein deshalb, weil das Gewebe um die Narben herum sich so widerlich anfühlt, ist das Knien nicht gerade angenehm. Und dann ist da ja noch die Sache, dass es lustigerweise genau zwei Wochen vor meinem Urlaub verdächtig im Knie geknackst hat. Die ersten Tage danach waren Mist, jetzt kann ich wieder geradeaus laufen, aber stabil ist das Bein nicht wirklich. Doch: Knien geht. Mit der Balance wird’s jetzt allerdings merklich schwieriger. Und schließlich versuche ich, mich hinzustellen. Immerhin heißt die Schose ja „Stand Up Paddling“. Während Babsi schon durch die Wellen pflügt und Jörg das Ganze Go-Pro-technisch dokumentiert, übe ich meinen Eiertanz. Ja, ich stehe. Aber nur kurz. Ich falle zwar nicht, bin aber kurz davor. Gekonnt ist was anderes.

Nee, komm, ich lasse ich mich lieber wieder auf alle vier Buchstaben plumpsen und mache im Sitzen weiter. Bei dieser Sportart ist definitiv die Kraft der zwei Beine gefragt, und zwar zwei funktionierender Beine. Meine rechte Hälfte ist aber definitiv zu instabil, um die Wasserbewegungen plus Paddelbewegungen auszubalancieren. No Risk, No Fun, sagt man ja so, aber diesmal ohne mich. Während Babsi graziös ein paar mal die Wasseroberfläche knutscht, halte ICH mich hingegen vortrefflich. Glaube ich. Aber hey! Ehrlich gesagt macht SUP auch im Sitzen Laune. Dann halt eben Sit Down Paddling. Kommt eben drauf an, was man draus macht.

Wer sich jedoch stehend fortbewegt, kommt in den Genuss eines Ganzkörperworkouts, erklärt Jörg. Das permanente Balancehalten betrifft nicht nur die Beine, sondern auch die Rumpfmuskulatur, und mit dem Paddeln wird schließlich auch der Rest aktiviert. Arme, Schultern, Rücken – ihr werdet euch bislang unbekannte Muskelareale spüren!

Das Schöne am SUP ist, dass sich Erfolgserlebnisse relativ schnell einstellen„, sagt Patricia. Klar, am Anfang ist alles etwas wackelig und es kostet ein Stück weit Überwindung, sich hinzustellen, doch einmal im Flow, ist Stand Up Paddeln ein schönes Erlebnis.

Schade, dass mein Kniegelenk so angeschlagen ist, denn zu gerne hätte ich eine der beiden Touren gemacht: entweder an der Küstenlinie entlang nach Cala Fornells oder zur El Chiringuito Bar in Costa de la Calma – Kaltgetränk genießen!

 

Infos:
SUP von Jorge Sports wird in der Hauptsaison angeboten. Zu finden an der Strandpromenade des Hotels Villamil in Paguera. Kurse und Touren nach Absprache von
Mo – Sa, 11 bis 17 Uhr.
Mietpreis pro Stunde: 15 Euro, mit Residentenrabatt 10 Euro
Tour nach Cala Fornells: 60 Minuten, 25 Euro
Tour zur Chiringuito Bar: 90 Minuten, 25 Euro
Mehr Infos unter: http://jorge-sports.com/ oder www.sup-mallorca.de

 

 

*Disclosure*
Jorge Sports hat uns zum Schnupper-Paddeln eingeladen.

 

2 Kommentare

  1. Anne Debus sagt

    Großartig, Frau Sauer, schon allein die Überschrift! Habe sehr gelacht. Muss ich auch mal probieren… Aber ohne Kamera 😉 LG und bis bald, Anne

  2. Pingback: Stand up paddling auf Mallorca - schon gemacht?

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